Leben

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Wer in Emmerich lebt, kennt sie. Wer zu Besuch kommt, fotografiert sie. Und wer regelmäßig nach Kleve oder zurück fährt, hat vermutlich schon mehr Zeit auf ihr verbracht, als ursprünglich im Lebensplan vorgesehen war: die Emmericher Rheinbrücke. Sie ist Wahrzeichen, Verkehrsader, Fotomotiv, technisches Bauwerk – und seit einigen Jahren auch so etwas wie Emmerichs prominenteste Dauerbaustelle.

Dabei hat die Brücke wirklich etwas Großes. Gebaut wurde sie in den 1960er-Jahren, eröffnet 1965. Sie verbindet Emmerich mit Kleve und überspannt den Rhein mit einer beeindruckenden Eleganz. Wegen ihrer markanten Hängekonstruktion wird sie gerne als „Golden Gate des Niederrheins“ bezeichnet. Zugegeben: San Francisco hat Nebel, Emmerich hat Gegenwind. Aber dafür kann man bei uns auf der Rheinpromenade sitzen, ein Eis essen und die Brücke ganz ohne Jetlag bewundern.

Technisch gesehen ist die Rheinbrücke ein echtes Schwergewicht. Sie gehört zu den bedeutenden Hängebrücken Deutschlands, besitzt eine enorme Stützweite über dem Strom und ihre Pylone ragen weithin sichtbar in den Himmel. Für viele Emmericherinnen und Emmericher ist sie viel mehr als Beton, Stahl und Seile. Sie ist Orientierungspunkt, Heimatsymbol und manchmal auch der erste Hinweis: „Jetzt bin ich wieder zuhause.“

Und dann kam die Sanierung. Oder besser gesagt: sie kam, blieb und machte es sich gemütlich. Seitdem gehören Baustellenbaken, verengte Fahrspuren und Tempo-Disziplin ungefähr so selbstverständlich zur Brücke wie der Rhein darunter. Natürlich wird dort nicht aus Langeweile gearbeitet. Eine Brücke dieser Größe muss regelmäßig überprüft, instandgesetzt und an heutige Anforderungen angepasst werden. Korrosionsschutz, Hängeseile, Fahrbahn, Abdichtung, Geländer, Entwässerung, Technik – das klingt nicht nur nach viel Arbeit, das ist auch viel Arbeit.

Trotzdem darf man mit einem Augenzwinkern sagen: Die Rheinbrücke hat sich in den letzten Jahren vom Bauwerk zum Geduldstrainer entwickelt. Wer morgens im Berufsverkehr darüber muss, lernt innere Ruhe. Wer hinter einem LKW fährt, übt Gelassenheit. Und wer auf der anderen Seite ohne Verzögerung ankommt, darf das durchaus als kleines Alltagswunder verbuchen.

Gleichzeitig merkt man an dieser Baustelle auch, wie wichtig die Brücke für die Region ist. Rund um Emmerich, Kleve, den Niederrhein und die niederländische Grenze hängen viele Wege an ihr: Pendlerverkehr, Lieferverkehr, Ausflügler, Besucherinnen und Besucher, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder einfach ans andere Rheinufer. Ohne diese Verbindung wären manche Strecken deutlich länger. Man könnte sagen: Die Brücke nervt manchmal – aber fehlen dürfte sie auf keinen Fall.

Und genau deshalb lohnt sich die Sanierung. Denn so sehr man über die Dauerbaustelle schmunzeln kann, am Ende geht es darum, dieses Wahrzeichen fit für die Zukunft zu machen. Eine Brücke, die täglich so viel leisten muss, braucht Pflege. Auch wenn diese Pflege aktuell eher nach „Wellnesskur mit Vollsperrungsgefahr“ aussieht.

Für Emmerich bleibt die Rheinbrücke ein besonderer Ort. Sie ist Postkartenmotiv, Aussichtspunkt, Verbindung und Gesprächsstoff zugleich. Kaum ein Bauwerk wird so oft fotografiert, kommentiert, gelobt, beschimpft und wieder fotografiert. Vielleicht ist genau das ihr Charme: Sie ist nicht perfekt, nicht immer bequem, aber unverwechselbar Emmerich.

Und irgendwann, wenn die Baustelle Geschichte ist, werden wir wahrscheinlich fast ein bisschen wehmütig sagen: „Weißt du noch, damals, als auf der Brücke immer gebaut wurde?“ Bis dahin gilt: Tempo runter, Nerven behalten und zwischendurch ruhig mal den Blick schweifen lassen. Denn trotz aller Baken, Schilder und Fahrbahnverengungen bleibt sie wunderschön – unsere Emmericher Rheinbrücke.